Hoffnung

Hoffnung hat einen eigentümlichen Rang unter den Tugenden: Sie galt nicht immer als eine. Im griechischen Pandora-Mythos bleibt sie am Boden des Gefäßes zurück, nachdem alle Übel entwichen sind, und seit Jahrtausenden streiten Deutungen, ob sie dort als Trost oder als letztes Übel liegt. Nietzsche vertrat Letzteres — Hoffnung, so seine These, verlängert die Qual.

Diese Spannung macht das Thema interessanter, als es zunächst wirkt. Die hier versammelten Zeilen bewegen sich zwischen Hoffnung als tragender Kraft und Hoffnung als Ausweichen. Der Unterschied liegt meist nicht in der Hoffnung selbst, sondern darin, ob sie Handeln begleitet oder ersetzt.