Leben

Leben ist das weiteste Thema jeder Zitatsammlung und deshalb das ungleichmäßigste. Unter derselben Überschrift stehen Senecas Brief über die Kürze der Zeit und ein Satz von einer Grußkarte. Der Unterschied liegt meist darin, ob eine Zeile etwas vom Leser verlangt oder ihm schmeichelt.

Was die haltbaren verbindet: Sie versuchen nicht, alles zu erklären. Antike Autoren sprachen über das Leben im Verhältnis zum Tod, weil beides einzeln wenig bedeutet; mittelalterliche im Verhältnis zur Pflicht; moderne im Verhältnis zur Wahl. Keiner dieser Rahmen ist vollständig, doch jeder sieht etwas. Beim Lesen lohnt die Frage, aus welcher Welt ein Satz stammt.